Deutsche Männer-Faustballnationalmannschaft im Trainingslager in Hohenlockstedt

Bundestrainer Olaf Neuenfeld

Im Vorwege zu diesem Trainingslager stellte sich der Bundestrainer den Fragen der beiden amtierenden Jugendeuropameister des TSV LoLa, Hannes Himmelhan und Jannis Wethling:

1. Seit wann spielst du Faustball? Seit nunmehr 43 Jahren. Ich habe mit 7 Jahren begonnen.

2. Wie bist du zum Faustball gekommen? Wie so viele bin auch ich durch meine Familie zum Faustball gekommen. Meine Eltern haben gespielt, meine Großeltern ebenso. Somit war der Weg für meine Schwester und mich vorgezeichnet.

3. Auf welcher Position hast du zu deiner aktiven Zeit gespielt? Ich habe in der Mitte gespielt, allerdings noch in der klassischen Form „vorgezogen“ im X-System, nicht hinten auf der Grundlinie im U-System wie es heute praktiziert wird.

4. Wie bist du darauf gekommen Trainer der Nationalmannschaft zu werden? Ich musste gesundheitlich bedingt mit 27 Jahren meine aktive Karriere beenden. Zu dem Zeitpunkt, 1997, hat Horst Tillner gerade einen Nachfolger für den Bundestrainerposten der U18-Nationalmannschaft gesucht und mich gefragt. Nach einem gemeinsamen Probejahr habe ich dann diesen Posten übernommen. 2005 hat Udo Schulz als Bundestrainer der Männer dann seinen Rücktritt gegeben und ich habe mich damals auf diesen Posten beworben. Da Deutschland in dieser Zeit keine realistischen Titelchancen hatte war ich der einzige Bewerber und wurde genommenJ.

5. Was sind deine größten Erfolge als Trainer und als Spieler? Als Trainer steht der WM-Titel 2011 für mich persönlich an erster Stelle. Damals hat keiner mit uns gerechnet, nicht mal wir selbstJ. Und dann noch in Österreich und gegen Österreich, das damals beste Team der Welt, vor mehr als 6.000 Zuschauern zu gewinnen, war ein unglaubliches Erlebnis. Danach kommt der WM-Titel 2015 in Argentinien. Da hatten wir die für mich beste Mannschaft, die ich jemals gesehen und gecoacht habe. Ohne Satzverlust haben wir damals Gold gewonnen. Das emotionalste Spiel war das World Games Finale 2017 in Polen. Nach der schweren Verletzung von Patrick Thomas und einem mehrmals verlorengeglaubten Endspiel gegen die Schweiz war dieser Titel einer der wertvollsten in meiner Karriere. Meine Erfolge als Spieler liegen schon so lange zurück… Das waren dreimal Deutscher Meister, dreimal Europapokal-Sieger und einmal Weltpokal-Sieger, jeweils mit TS Hannover 52. Bei der Männer-Nationalmannschaft war ich nur einmal bei einem Event dabei, was aber 1995 direkt zum Weltmeistertitel geführt hat.

6. Was habt ihr euch vorgenommen für die EM? Als amtierender Welt- und Europameister kann nur der erneute Titelgewinn unser Ziel sein.

7. Spielwitz oder Kraft beim Schlag? Beides zusammen wäre die perfekte Konstellation, aber, wenn ich wählen müsste würde ich den Spielwitz bevorzugen.

8. Was macht für dich die Nationalmannschaft aus? Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, dass keiner unserer Führungsspieler Starallüren zeigt. Spieler wie Patrick Thomas oder Fabian Sagstetter sind absolute Vorbilder. Sie geben auf jedem Lehrgang Vollgas und lassen sich nie hängen. Das merken dann auch die neuen und jungen Spieler schnell, dass bei uns eine absolute Erfolgsfokussierung herrscht und sich jeder immer aufs Neue beweisen muss. Was gestern war zählt heute nicht mehr. Wir sind eine homogene Gemeinschaft und Dinge wie Teamgeist und Zusammenhalt sind bei uns keine Floskeln sondern werden bei jedem Zusammentreffen gelebt und gefördert.

9. Wen würdest du gerne nochmal auf dem Platz sehen wollen? In Deutschland spielen die meisten „Veteranen“ noch in der Altersklasse und dort sehe ich sie noch häufig. Von daher schaue ich mal über die Landesgrenze und würde Spieler wie Stephan Jundt aus der Schweiz, Markus Fels aus Österreich oder George Schuch und Gustavo Süffert aus Brasilien gerne nochmal in Aktion sehen. Nicht zu vergessen natürlich mein ehemaliger U23-Nationanalmannschaftskollege Marcus Himmelhan vom TSV LoLaJ.

10. Wer ist der unordentlichste in der Mannschaft? Das kann ich gar nicht sagen, da ich selten auf den Zimmern der Spieler bin. Es fällt mir leichter, einen der ordentlichsten Spieler zu benennen, auch in Puncto Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit: Tim Albrecht aus Ahlhorn.

11. Wie hast du Veranstaltungen in Hohenlockstedt in Erinnerung? Damit verbinde ich immer perfekte Organisation, herzliche Menschen und tolle Faustball-Events. Deshalb freue ich mich auch schon sehr auf den Lehrgang in Hohenlockstedt und die Leute vom TSV Lola.

12. Wie liefen die Vorbereitungen trotz Corona für die EM? Wir haben im Januar und Februar eine interne Challenge mit allen 26 Kaderspielern gemacht. Dabei ging es einerseits um einfache Laufkilometer und andererseits musste jeder Übungen zu Hause machen, die dann Mannschaftsweise gewertet wurden. Das waren Koordinationsübungen oder Dinge wie Liegestütze, Situps, Sprünge usw. Da kamen teilweise sehr lustige Videos bei raus, die wir uns in Lola nochmal zusammen anschauen werdenJ. Die richtige Vorbereitung auf die EM beginnt dann mit der Bundesligasaison Anfang Mai bzw. dann so richtig mit dem ersten Lehrgang drei Wochen später beim TSV Lola in Hohenlockstedt.

13. Hast du irgendwelche Rituale vor einem Spiel? Nein, gar keine. Ich bin überhaupt nicht abergläubisch und konzentriere mich nur auf meine Aufgabe und die jeweilige Situation.

14. Bei einem Kleinfeldturnier, wer wäre dein Mitspieler? Fabian Sagstetter. Fabi hätte dann aber viel zu tun, um meine Defizite auszugleichenJ.

15. Was sind deine Pläne für die Zukunft als Trainer? Unser großes Ziel ist die WM 2023 in Mannheim. Bis dahin haben wir noch die EM in Italien in diesem Jahr und die World Games in den USA 2022. Was danach ist kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich kann weder sagen, dass ich noch weitermache, noch dass ich dann auf jeden Fall aufhöre. Vielleicht ist es dann nach 18 Jahren Bundestrainer (plus 8 Jahre U18-Bundestrainer) genug, vielleicht aber auch nicht.

Thomas Boll