Deutsche Meisterschaft im Feldfaustball – Rückblick

Am 05. und 06. September fanden in Kellinghusen die Deutschen Feldfaustballmeisterschaften der Frauen und Männer statt. Neben den beiden sportlichen Siegern darf sich auch die Faustballabteilung des VfL Kellinghusen mit seinen Helfern*innen als großer Gewinner fühlen. Das mit viel Aufwand umgesetzte Hygienekonzept machte diese Meisterschaft erneut für alle Beteiligten zu einem großartigen Event. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass Schleswig-Holstein mit seinen Faustballvereinen Meisterschaften kann. Zu den Gewinner zählte ebenfalls das Team von Sportdeutschland TV, die mit fachkompetenten, launigen Komentaren und einer hervorragenden Übertragung den Daheimgebliebenen wieder einmal Faustballbilder vom Feinsten lieferten.

Deutsche Meisterschaft Frauen

Tag 1

Mussten sich am Ende mit dem vierten Platz zufrieden geben:
VfL Kellinghusen
Bildquelle: HP VfL Fausti

Als Ausrichter stand im Vorwege bereits die Teilnahme der VfL-Frauenmannschaft an diesere Meisterschaft fest. Die Mannschaft präsentierte sich zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Top und Flop. Um in das Halbfinale einziehen zu können, musste das Team in dem Qualifiaktionsspiel gegen den TSV Calw (Zweiter der 1. Bundesliga Süd) unbedingt gewinnen. Entsprechend nervös begann die Partie bei nassem Rasen und bereits diese erste Partie deutete die „Schwächen“ innerhalb der Mannschaft an. Sie sollten sich wie ein roter Faden durch die Meisterschaft ziehen.

Was willst Du von mir?
Bildquelle: Ch. Kadgien

Durch viele Annahme- und Rückschlagfehler hielt der VfL die gegnerische Mannschaft immer wieder im Spiel. Auch in der Abwehr lief noch lange nicht alles rund. Am Ende konnte der VfL dann aber glücklich den ersten Satz noch mit 13:11 Bällen für sich entscheiden. Dann aber drehte der TSV Calw den Spieß um und holte sich die Sätze zwei (11:9) und drei (12:10) und damit die 2:1 Satzführung. Das VfL-Trainergespann, Torbjörn Schneider und Marten Kabbe wechselte danach auf einigen Positionen. Diese Einwechselungen brachten etwas mehr Schwung ins VfL-Spiel. Nach dem Gewinn des vierten Satzes (11:9) erreichte der VfL den 2:2-Satzausgleich, um dann im Entscheidungssatz nach langem Zittern mit 11:8 Bällen das Match noch für sich zu entscheiden.

Halbfinale erreicht
Katrin Wauer und Lisa Maas, VfL Kellinghusen
Bildquelle: Ch. Kadgien

Überglücklich freuten sich die Spielerinnen über den Einzug ins Halbfinale, in dem der Ahlhorner SV (1. Bundesliga Nord) auf die VfL-Frauen wartete. Im zweiten Qualifikationsspiel behauptete sich souverän der TV Jahn Schneverdingen gegenüber dem TSV Pfungstadt und durfte sich nach dem 3:0-Kantersieg auf den TSV Dennach (1. Bundesliga Süd) freuen.

Für den TSV Calw und TSV Pfungstadt war die Meisterschaft damiit bereits beendet. Über eine Änderung des Spielmodus sollte sich die DFBL noch einmal Gedanken machen.

Halbfinale Ahlhorner SV vs. VfL Kellinghusen

Konnte in der Abwehr durchaus überzeugen:
Vemke Voss, VfL Kellinghusen
Bildquelle: Ch. Kadgien

Zwei Mannschaften, die sich aus zahlreichen Bundesligapartien genauest kannten, zeigten den Zuschauern ein Faustballspiel, das unterschiedlich nicht sein konnte. Auch hier fiel die Entscheidung erst im fünften Satz. Wenn eine Mannschaft ein Satz gewinnen konnte, dann war das Ergebnis jedes Mal klar und deutlich. Satz eins für Ahlhorn (11:7), Satz zwei für den VfL (11:4), Satz drei für Ahlhorn (11:6), Satz vier wieder für den VfL (11:5). Im fünften Satz hatte der VfL den Finaleinzug zum Greifen nah, aber viele Eigenfehler begünstigten den Ahlhorner SV, der sich das Match und das Finale nach dem 11:7-Erfolg sichern konnte. Freude bei Ahlhorn und sicherlich Enttäuschung im VfL-Lager. Jetzt hieß es Wunden lecken, um am Sonntag im Spiel um die Bronzemedaille noch einmal angreifen zu können.

Halbfinale TSV Dennach vs. TV Jahn Schneverdingen

Nichts zu bestellen hatte in dieser Partie der TV Jahn Schneverdingen. Zwar konnte sich die Mannschaft mit 11:7 Bällen noch den ersten Satz sichern, danach drehte der Südmeister TSV Dennach allerdings auf und sicherte sich mit 11:9, 11:8 und 11:4 den Finaleinzug.

Tag 2

Brachte nach ihrer Einwechselung Schwung in das VfL-Angriffsspiel:
Annika Rennekamp, VfL Kellinghusen
Bildquelle: Ch. Kadgien

Im Frauenfinale standen sich der Ahhorner SV und der TSV Dennach gegenüber. Zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Die Partie sollte erst nach fünf Sätzen eine Entscheidung bringen. Daran haben allerdings die wenigsten geglaubt, denn bereits nach den ersten beiden Sätzen lag der Ahlhorner SV mit 2:0 in Führung (11:8 und 12:10). Dann kam bei den Ahlhorner Frauen wieder das große Flattern und der TSV Dennach konnte nach den Sätzen drei (11:7) und vier (12:10) zum 2:2 ausgleichen. Im Entscheidungssatz dann wieder die gewohnte Sicherheit auf Ahlhorner Seite und die reichte dann zum 11:8 Erfolg. Damit Deutscher Meister der Ahlhorner SV, Silbermedaillengewinner TSV Dennach.

Deutscher Meister im Feldfaustball 2020:
Ahlhorner SV
Bildquelle;: HP VfL Fausti

Einzelergebnisse und Abschlusstabelle

Deutsche Meisterschaft Männer

Tag 1

Als Nordmeister bereits für das Halbinale qualifiziert:
VfL Kellinghusen
Bildquelle: HP VfL Fausti

Als „Nordmeister“ hatte der VfL Kellinghusen bereits das Halbfinale erreicht. Der Gegner für dieses Spiel wurde im ersten Qualifiaktionsspiel zwischen der Überraschungsmannschaft, TV Unterhaugstett und dem VfK 01 Berlin ermittelt. Im Team des VfK 01 Berlin, der über Jahre mit das Geschehen in der 1. Bundesliga Nord und bei den Deutschen Meisterschaften bestimmte, machte sich der durchgeführte Generationswechsel bemerkbar. Mit der 1:3 Matchniederlage verpassten die Berliner den Einzug ins Halbfinale und beendeten damit bereits ihre Teilnahme an der DM. Der TV Unterhaugstett, der nach sechs Jahren, erstmals wieder bei einer DM vertreten war, sollte nun auf den VfL Kellinghusen treffen.

Die zweite Überraschungsmannschaft der Meisterschaft war die Berliner TS. In den Qualifikationsspielen zu DM setzte sich die Mannschaft im Vorwege gegen den VfK 01 Berlin durch und traf damit als Zweiter der Nordliga auf den Dritten der Südliga, den TV SW Oberndorf. Es war ein packendes Spiel, in dem die Berliner TS noch mit 11:9 den ersten Satz für sich entscheiden konnte. Danach zwang aber der TV Oberndorf den Berlinern sein Spiel auf und gewann trotz heftiger Gegenwehr den zweiten Satz mit 12:10 und ließ sich auch mit dem 11:8 und 11:8 in den beiden Folgesätzen die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Damit standen die beiden Halbfinalspiele (VfL Kellinghusen vs. TV Unterhaugstett und TSV Pfungstadt (Südmeister) vs. TV SW Oberndorf) fest.

Gaben alles, am Ende sollte es trotzdem nicht reichen:
Rouven Kadgien und Sascha Heidrich, VfL Kellinghusen
Bildquelle: Ch. Kadgien

Gewarnt von der überaus überzeugenden Leistung der Unterhaugstetter gegen den VfK 01 Berlin wollte der VfL Kellinghusen mit einem Sieg das Finale am Sonntag erreichen. In einem spannenden Spiel stand der VfL kurz vor dem Gewinn des ersten Satzes, aber allein vier (!) Angabenfehler hintereinander in der entscheidenden Endphase des Satzes durch den VfL-Hauptangreifer brachten die Unterhaugstetter aus die Siegerstraße. Mit 11:13 Bällen gab der VfL den schon sichergeglaubten Satzgewinn aus den Händen. Von diesem Satzverlust erholte sich die Mannschaft nicht mehr und ging nach den verlorenen Sätze zwei (9:11) und drei (7:11) als enttäuschter Verlierer vom Feld. Es blieb damit am Tag 2 das Spiel um die Bronzemedaille. Der TV Unterhaugstett dagegen durfte sich über das Erreichen des Finales freuen. Im zweiten Halbfinalspiel machte der TSV Pfungstadt dann mit dem TV SW Oberndorf kurzen Prozeß. Nach dem 11:4, 11:5 und 11:9-Satzgewinn erreichten die Pfungstädter ein weiteres Mal in seiner Vereinsgeschichte das Finale.

Tag 2

SHTV-Präsident Hans-Jürgen Kütbach ließ es sich nicht nehmen und sah sich am Finaltag die Spiele an

Viel vorgenommen hatte sich der VfL Kellinghusen im Spiel um die Bronzemedaille gegen den TV SW Oberndorf. Unter dem interessierten Auge unseres neuen SHTV-Präsidenten, Hans-Jürgen Kütbach, konnte auf dem schwer bespielbaren nassen Rasen der VfL durch eine starke Mannschaftsleistung die beiden ersten Sätze mit jeweils 11:9 Bällen gewinnen und die ersehnte Medaille war damit bereits zum Greifen nahe. Was dann aber passierte, durfte eigentlich nicht passieren. Durch viele Annahme- und Rückspielfehler verlor das Team völlig den Faden, musste die Sätze drei (8:11) und vier (9:11) abgeben und nach dem 2:2-Satzausgleich waren die Oberndorfer wieder

Verloren am Ende völlig den Faden:
Erik Maas, Torbjörn Schneider und Sascha Heidrich

auf Augenhöhe. Der fünfte Satz musste dann die Entscheidung bringen. Lange Zeit wogte das Spiel hin und her und es gelang keiner Mannschaft sich entscheidend abzusetzen. Beim Stand von 9:9 unterlief dem VfL-Angriff zwei Eigenfehler und nach dem 11:9 war das Match und damit die Bronzemedaille verloren. Wie bei der VfL-Frauenmannschaft blieb unterm Strich der undankbare vierte Platz. Im anschließenden Finale (TSV Pfungstadt vs. TV Unterhaugstett) hätten die Unterhaugstetter beinahe für eine Sensation gesorgt. Was der FC Bayern München im Fußball ist, ist der TSV Pfungstadt im Faustball. Seit 2010 mit einer Unterbrechung im Jahr 2017 heißt der Deutsche Meister jedes Jahr TSV Pfungstadt. Gespickt mit seinen Nationalspielern holte sich Pfungstadt auch mit 11:5 gleich den ersten Satz.

Verlangte dem TSV Pfungstadt alles ab:
Angriffsspieler TV Unterhaugstett
Bildquelle: HP VfL Fausti

Doch der Unterhaugstetter ließen nicht locker, gewannen überraschend den zweiten Satz mit 11:9, um dann den dritten Satz wieder deutlich mit 5:11 an den TSV Pfungstadt abzugeben. Wer jetzt glaubte, das war es mit Unterhaugstett, wurde enttäuscht. Ein weiteres Mal konnte die Mannschaft mit dem 11:9-Erfolg zum 2:2 Satzausgleich aufholen. Auch hier Satz fünf und damit der Entscheidungssatz. Beide Teams erneut auf Augenhöhe, allerdings mit dem glücklicheren Ende für den TSV Pfungstadt. Nach dem 11:9 Satzerfolg konnten die Pfungstädter Pokal und eine weitere Deutsche Meisterschaft mit nach Hause nehmen. Nach diesem packenden Endspiel durfte sich der TV Unterhaugstett über die Silbermedaille freuen, wenn gleich er die Goldmedaille schon vor Augen hatte.

Deutscher Meister im Feldfaustball der Männer:
TSV Pfungstadt
Bildquelle: HP VfL Fausti

Einzelergebnisse und Abschlusstabelle

Fazit: Trotz der umfangreichen Coronauflagen und damit verbundenen Einschränkungen (u.a. Zuschauerzahlen) wurde die Meisterschaft zu einem tollen Event. Dank an alle, die dazu beigetragen haben. Es war wieder einmal eine großartige Werbung für unseren Faustballsport.

Thomas Boll